Kleidung allgemein


Grundsätzliches zur Kleidung - Materialien

Stoffe

Kleidung wurde entweder aus Leinen oder Wolle hergestellt. Die Stoffe wurden am Gewichtswebstuhl gewebt, bekannt waren Leinwand- und verschiedene Köperbindungen. Durch den Einsatz von verschiedenfarbigen Fäden wurden auch Muster gewebt. Beim Moorfund von Rendswühren wurde ein Streifenmuster durch verschiedene farbige Schussfäden erreicht.
Zum Teil wurden sehr aufwändige Brettchenborten an den Kanten mit eingewebt, eine sehr aufwändige und zeitintensive Technik. Auch die Anfangskanten wurden oft in Brettchenwebtechnik hergestellt.
Über Leinenstoffe kann eigendlich nur spekuliert werden, da sich die pflanzlichen Stoffe im Boden leichter zersetzen. Es gibt immer wieder Funde von Wollkleidung, an denen zwar die Nahtlöcher sichtbar sind, aber die Fäden fehlen. Daraus lässt sich schließen, dass die Fäden aus pflanzlichen Fasern waren. Auch durch das Fehlen von Kleidung an ansonsten gut erhaltenen Moorleichen kann man auf pflanzliche Stoffe spekulieren. Die Verarbeitung von Leinen war zu dieser Zeit allerdings schon bekannt. Plinius der ältere erwähnt 77 n.Ch. in seiner Schrift Naturalis Historia, dass die germanischen Frauen gerne Kleidung aus Leinen tragen.
Hier mal, mangels deutscher, eine englische Übersetzung:
„The Cadurci, the Caleti, the Ruteni, the Bituriges, and the Morini, those remotest of all mankind, as it is supposed, the whole of the Gallic provinces, in fact, are in the habit of weaving sail-cloth; and at the present day our enemies even, who dwell beyond the Rhenus, have learned to do the same; indeed, there is no tissue that is more beautiful in the eyes of their females than linen.“
Danach scheint es in den Augen der Frauen jenseits des Rheins nichts schöneres als Leinen zu geben. Plinius beschreibt später auch die Herstellung des Leinens in Gruben.

Für die Färbung der Stoffe kommen ausschließlich Pflanzenfarben aus heimischem Bestand in Frage.

Leder und Felle

Für Schuhe wurde meist Rindleder verwendet. Dabei gab es auch Varianten, bei denen das Leder noch behaart war (Mann von Obenaltendorf).
Tacitus erwähnt, dass auch Tierfelle getragen wurden, was durch einige Moorfunde (u.a. Rendwühren, Osterby, Huldremose) belegbar ist. Bei den Funden handelt es sich meistens um Umhänge oder Mäntel.
Nähte werden mit den entsprechenen Leinen- oder Wollgarnen hergestellt. Für Schuhe sollte der Faden mit Bienenwachs gewachst werden. Fellumhänge wurden auch mit Lederschnüren vernäht.


Römische Quellen

Tacitus, Germania, Kap. 17, Kleidung von Mann und Frau

Körperbedeckung ist für alle der Mantel, der mit einer Spange oder, wenn sie fehlt, mit einem Dorn zusammengesteckt ist. Im übrigen bringen sie ganze Tage unbedeckt an Herd und Feuer zu. Die Wohlhabendsten wissen sich durch ihr Untergewand auszuzeichnen, das nicht herabfließt, wie bei den Sarmaten und Parthern, sondern eng anliegt und die einzelnen Gliedmaßen abzeichnet. Sie tragen auch Tierfelle; die nächsten Uferanwohner nachlässig, wer entfernter wohnt, erlesener, da er nicht durch den Handelsverkehr an gepflegte Kleidung kommt. Sie wählen sich das Wild aus und verzieren die abgezogenen Felle mit Pelzbesatz von Tieren, die das jenseitige Weltmeer und die unbekannte See hervorbringt. Nicht anderes ist die Tracht der Frauen und der Männer, außer dass sich die Frauen häufiger in einen leinernen Überwurf hüllen und diesen mit Purpur bunt färben und dem oberen Teil des Untergewandes keine langen Ärmel geben, nackt am Unter- und Oberarm; aber auch der nächste Teil der Brust ist frei.

Die Funde von Kleidung wiedersprechen allerdings teilweise der manchmal einseitigen Sicht von den historischen (römischen) Quellen.


Grundsätzliches zur Kleidung - Schnitte


Nachdem man weiß, welche Stoffe und Materialien am besten verwendet werden, gilt es den richtigen Schnitt finden. Am besten orientiert man sich an Funden, die bereits untersucht oder rekonstruiert wurden. Allerdings wird es teilweise schwierig, Funde aus den entsprechenden Regionen und Zeitstufen zu finden. Dann bleibt nur die Möglichkeit, Quellen die wenigstens nah dran sind, zu verwenden.
Das Internet ist dabei eine gute Hilfe, aber: bei der Recherche stellen wir immer wieder fest, dass Schnitte falsch sind oder den falschen Funden zugeordnet werden. So wird die zweite Thorsberghose zum Beispiel öfters als Damendorf-Hose dargestellt. Auch die Damendorf-Hose findet man immer wieder mit dem inzwischen als falsch belegten vorderen halbrunden Stoffteil. Es bleibt einem also nicht erspart, dass man die gefundenen Schnittvorlagen mit entsprechender Fachliteratur vergleicht oder gleich in entsprechender Literatur sucht. Auch ein Besuch in Museen lohnt sich immer. Leider (oder zum Glück) haben auch die Fachleute immer wieder neue Erkenntnisse. Dadurch kann es natürlich zu Differenzen von Rekonstruktionen kommen, je nachdem, aus welcher Quelle der Schnitt kommt.
Interessant wird es, wenn man die Funde mit Reliefs und anderen Bild-Darstellungen aus der römischen Kaiserzeit vergleicht. Teilweise werden die Schnitte bestätigt, teilweise ergeben sich neue Fragen. Die Rekonstruktion ist daher eine Gratwanderung zwischen Funden, Abbildungen und „könnte so gewesen sein“.
Dabei gibt es ein paar Grundsätze, die man bei einer Rekonstruktion beachten sollte:
-möglichst nach Funden und weiteren Analysen der Funde arbeiten
-evtl. nach Abbildungen arbeiten
-möglichst wenig Eigeninterpretation

Irgendwann ist man in der glücklichen Lage, ein Schnittmuster zu haben, nach dem man arbeiten kann. Doch dieses Schnittmuster muß noch den eigenen Körpermaßen angepasst werden. Für jemand, der bis jetzt wenig bis nichts mit der Schneiderei zu tun hatte, keine leichte Aufgabe. Deshalb hier mal ein paar Tipps.
Ein Schnittmuster proportional vergrößern oder verkleinern geht nicht. Der eigene Körper muß ausgemessen werden und diese Maße geben den Schnitt vor. Dabei sollte man beachten, dass der „Gundschnitt“ nicht verändert wird. Aus einer im Original engen Hose sollte man keine Schlabberhose machen. Bei dem neuen eigenen Schnitt wird man feststellen, dass die Längen- und Breitenmaße unterschiedlich geändert werden müssen. Es hilft auch, wenn das erste Stück aus einem billigem Stoff probegenäht wird. Dann tut es nicht weh, wenn es nicht passt, Änderungen sind leicht möglich und man hat später Schablonen für den Zuschnitt des guten Stoffes.
Wichtig ist auch, dass die Nahtzugabe berücksichtigt wird. Für einen groben, nicht so fest gewebten Stoff braucht man mehr als für einen fein gewebten. Auch hier sollte eine Probenaht mit kleinen Reststücken gemacht werden.

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